Genauso wie die beiden Briefe des Apostels Paulus an Timotheus, ist auch der Titusbrief ein sogenannter Pastoralbrief. Paulus schreibt Titus, um ihm Anweisungen für seinen Dienst in den Gemeinden auf Kreta zu geben.

Nach einer theologisch sehr reichhaltigen Begrüßung, erinnert Paulus den Titus, warum er ihn auf Kreta zurückgelassen hatte. Er soll in den Gemeinden Älteste einsetzen. Dabei sollte jede Gemeinde mehrere Älteste haben.  In den Versen 5-9 erklärt Paulus, dass Titus nach tadellosen Ältesten suchen sollte, die vorbildlich leben und treu lehren. Ein wichtiges Kriterium ist dabei auch, dass die Ältesten bereit dazu sein müssen, falsche Lehren zu korrigieren und falscher Lehrer zurechtzuweisen. Das war auf Kreta dringend notwendig. Die Verse 9-16 verdeutlichen, dass es dort Irrlehrer und die Fehlgeleitete gab, die Widerspruch und Korrektur brauchen.

  • Nach allem was die Bibel lehrt, sollten wir auch heute nicht aufhören, wachsam zu sein. Natürlich sollte die Liebe in Wahrheit gesagt werden und auch Älteste sollten in aller Demut eingestehen, dass auch ihre Erkenntnis Stückwerk ist. Andererseits kann es manchmal dringend notwendig sein, korrigierend einzugreifen. Das macht keinen Spaß, ist aber wichtig, damit die Herde Gottes geschützt wird.
  • Hirten sollten also nicht nur darauf bedacht sein, Schafe zu streicheln, sondern müssen auch bereit sein, mit Wölfen zu kämpfen.

In der ersten Hälfte des 2. Kapitels gibt Paulus Titus klare Anweisungen, was er verschiedenen Gruppen in der Gemeinde lehren soll. Bedenkenswert ist dabei, dass Titus alte und junge Männer und alte Frauen lehren soll. Nur die Lehre der jungen Frauen, sollte er den alten Frauen überlassen und diese entsprechend instruieren.

Dieses Prinzip ist sicherlich weise. Ich könnte mir vorstellen, dass hier zwei Überlegungen eine Rolle gespielt haben:

  • Titus war selber wohl noch nicht sehr alt. Eine zu enge Beziehung zu jungen Frauen wäre von daher evtl unschicklich gewesen, bzw hätte zu Versuchungen führen können.
  • Die jungen Frauen tun sich evtl sehr viel leichter, die Lehre von älteren Frauen, anstatt von Männern, anzunehmen.

In allen Dingen geht es darum, dass die Christen ein gutes Zeugnis sind und das Wort Gottes für alle klar erkennbar, wertgeschätzt und beachtet wird.

  • Bedenkenswert ist auch, dass – wenngleich Frauen nicht das Ältestenamt ausüben sollen, sie eben doch auch einen klaren Auftrag haben, ihre ggf vorhandene Lehrbegabung auszuüben. Hier erlebe ich oft nur die Extreme (entweder ein Vernachlässigen der biblischen Aussagen zu den Geschlechterrollen ODER einen Ansatz, bei dem Frauen gar nicht mehr lehren dürfen). Paulus zeigt uns hier den biblischen Mittelweg.

Schließlich bekommt auch Titus konkrete Anweisungen, wie er leben soll. Er soll vorbildlich leben und treu lehren. Und er soll Sklaven lehren – auch das ist ein Weg, um den HERRN aller Herrn zu ehren.

Ab Vers 11 kommt dann die Begründung für alle Aufrufe – die heilsame Lehre nimmt uns in Zucht! Das Evangelium und die zukünftige Hoffnung, die darin enthalten ist, sollte uns zu einem frommen Leben motiviere.

  • Ich wünsche uns, dass wir alle immer wieder klar in den Blick bekommen, was Jesus für uns getan hat (13 und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Heilandes Jesus Christus, 14 der sich selbst für uns gegeben hat, damit er uns erlöste von aller Ungerechtigkeit und reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum, das eifrig wäre zu guten Werken.), und dass uns das dazu motiviert, ihm treu und froh nachzufolgen.

Kapitel 3 setzt bei der guten Nachricht des Evangeliums an, mit der Kapitel 2 geendet hatte. Diese sollte dem Leben Fokus geben und eben zu einem veränderten Leben führen. Und genau deshalb sollte die gute evangeliumstreue Lehre zu guten Werken führen – während Irrlehren nur Unheil anrichten. Paulus endet dann damit, dass er ganz konkret zu einigen guten Werken aufruft, die Titus tun sollte – auch um so als Vorbild zu dienen.

  • Für uns stellt sich dann also die Frage, ob wir als Gläubige begierig danach sind, immer mehr in der Erkenntnis Gottes zu wachsen und so dann auch immer mehr das zu tun, was ihm gefällt und was gut für die Menschen ist … und ob wir das eben mit dem klaren Ziel vor Augen tun, dass unser Leben hier auf Erden nicht der Erfüllung aller Dinge sein muss, weil wir darauf vertrauen, dass uns das Beste noch bevorsteht!
  • Diese Erkenntnis und Zuversicht wünsche ich uns allen.