Der Philipperbrief ist hat Paulus aus dem Gefängnis geschrieben. Dieser Brief ist ein sehr persönlicher und manchmal durchaus emotionaler Brief. Paulus gibt Einblicke in sein eigenes Befinden und ist sehr darauf bedacht, die Philipper zu ermutigen und zu einer Freude am Herrn aufzurufen, die letztendlich von den äußeren Umständen unabhängig sein sollte.
Das recht lange Dankgebet zu Beginn ist ein großartiges Gebet, in dem Paulus Gott lobt und preist, Theologie vermittelt und gerade auch so den Gläubigen Zuspruch zukommen lässt und als guter Hirte für die Herde eintritt.
- Paulus verkündet hier seine sichere Zuversicht, dass Christus das gute Werk, das er begonnen hat eben auch vollenden wird und er betet, dass ER das tun möge, in dem er in den Gläubigen weiter Veränderung bewirkt, nämlich Wachstum in der Liebe und in der Erkenntnis – was wiederum Hoffnung und Heiligung fördert.
- Interessant ist dabei, dass sein Vertrauen auf Gottes Wirken in den Philippern nicht dazu führt, dass er nicht mehr für sie betet. Ganz im Gegenteil – er betet gerade weil er davon überzeugt ist, dass Gott das tun wird, worum er bittet.
Dann wird Paulus sehr persönlich und zeigt uns, wie eben Hoffnung und Freude nicht von den unmittelbaren Umständen abhängen müssen. Er verleugnet dabei in keinster Weise, dass seine Umstände schwer sind. Aber er sieht, wie Gott gerade eben auch diese Umstände gebraucht und er so auch im Gefängnis seinen Dienst ausüben kann. Einerseits hat Paulus eine Sehnsucht nach der Herrlichkeit beim Herrn … aber andererseits weiß er eben auch darum, dass alles seine Zeit hat und Gott ihn wohl noch auf Erden gebrauchen will.
Der Vers „21 Denn Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn.“ und auch die Erklärung: „1:23-24 ich habe Lust, aus der Welt zu scheiden und bei Christus zu sein, was auch viel besser wäre; 24 aber es ist nötiger, im Fleisch zu bleiben, um euretwillen.“ sprechen mich sehr an.
- Ich möchte mir selber immer wieder dieses Denken zu eigen machen und so in großer Vorfreude auf die Zeit beim Herrn leben und gleichzeitig die Zeit hier auf Erden gut nutzen, um dem Herrn zu dienen.
- Möge der Herr uns davor bewahren, dass wir uns gemütlich hier auf Erden einrichten, die Sehnsucht nach dem Herrn verlieren und in unserem Einsatz träge werden.
Ab Vers 27 kommt dazu der passende Aufruf: „27 Wandelt nur würdig des Evangeliums Christi, damit – ob ich komme und euch sehe oder abwesend von euch höre – ihr in einem Geist steht und einmütig mit uns kämpft für den Glauben des Evangeliums 28 und euch in keinem Stück erschrecken laßt von den Widersachern, was ihnen ein Anzeichen der Verdammnis ist, euch aber der Seligkeit, und das von Gott.“
Der Herr gibt uns alles – den Glauben und eben auch das Leiden … und ER wird es in uns und in unserer Umwelt gebrauchen, bis er dann das gute Werk in uns und durch uns vollendet, das ER begonnen und für uns vorgesehen hat.
- Ist das nicht eine großartige Zuversicht?
Die ersten Verse von Kapitel 2 zeigen uns etwas, das ganz wesentlich für das Verständnis des Evangeliums ist. Alle biblischen Imperative (Aufruf zu Taten) gründen in Indikativen (Erklärung dessen, was Gott für uns getan hat).
Das, was Christen vom Herrn empfangen haben, sollte sie nun dazu veranlassen, auch selber ein verändertes Leben zu führen.
Der erste Aspekt, den Paulus hier anspricht ist sein Aufruf zur Demut und dazu, auf das Wohl Anderer bedacht zu sein. In diesem Kontext kommt der bekannte Christus-Hymnus in den Versen 5-11, in dem uns die Demut des Herrn vor Augen geführt wird.
Gleichzeitig wird schließlich betont, dass er letztendlich von Gott dem Vater hoch erhöht werden wird. Eines Tages wird jedes Knie sich vor Christus beugen – manche in froher Anbetung, andere aber auch als Besiegte.
Ab Vers 12 folgt dann ein zweiter Imperativ. In Anbetracht der Realität dessen, was der HERR getan hat und in Anbetracht des kommenden Gerichts sollten wir Alles daransetzen, selber zum Herrn zu gehören und „selig“ zu werden. Doch gleichzeitig ist dies natürlich nicht unser Werk, „2:13 Denn Gott ist’s, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.“
- Gerade in dem Wissen darum sollten wir uns aber eben auch bemühen, unser Leben froh und dankbar für Gott zu leben und ihn in der Welt zu bezeugen, wie „Lichter in der Welt“.
Ab Vers 19 sehen wir dann Liebe in Aktion. Paulus ist bereit Timotheus zu senden, um den Philippern Gutes zu tun. Gleichzeitig gibt er Zeugnis davon, wie Timotheus für ihn sorgt. Und dann ist die Rede von Epaphroditus, den Paulus aus Liebe gesandt hatte, der die Philipper liebte und die ihn liebten. Diese Verse sind voller Zeugnisse von einer Sorge und Liebe um den jeweils Anderen.
- Möge Gott in uns auch immer mehr eine solche Gesinnung wachsen lassen.
Zu Beginn von Kapitel 3 lesen wir eine mehrfach wiederholte Kernaufforderung des Briefs: „Freut euch in dem Herrn!“
Dann wird es sehr biografisch. Paulus beschreibt seine Herkunft. Er war einst ein sehr gesetzestreuer Jude und doch durfte er dann erkennen, dass das alles Dreck ist, und dass das was alleine zählt eben Christus ist. Für IHN will er leben, Ihm in allen Dingen ähnlicher werden und dabei weiß er, dass er noch längst nicht angekommen ist.
Aber er hat das Ziel fest im Blick und läuft diesem mit aller Kraft entgegen:
„12 Nicht, daß ich’s schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich’s wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin. 13 Meine Brüder, ich schätze mich selbst noch nicht so ein, daß ich’s ergriffen habe. Eins aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist, 14 und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.“
Das Ziel ist dabei das himmlische Jerusalem, zu dem wir schon jetzt gehören, das aber erst noch kommen wird.
Paulus scheut sich nicht, sich selber als Vorbild zu benennen.
- Bei aller gebotenen Demut und dem Wissen um unsere Fehler sollten wir letztendlich alle das Ziel haben, so zu leben, dass wir anderen Vorbilder im Glauben sein können.
- Paulus ist ganz realistisch und weiß, dass wir alle leicht beeinflussbar sind und uns prägen lassen. Deshalb ist es so wichtig, ein klares Ziel vor Augen zu haben und eben auch, andere an seiner Seite, an denen man sich orientieren kann.
- Ich wünsche uns als Gemeinde, dass wir immer mehr eine solche Weggemeinschaft werden!
Das 4. Kapitel beginnt mit einer Ermahnung. Offenbar hat Paulus von einem Streit gehört und so ruft er die Streithähne und die ganze Gemeinde zum Frieden. Das gelingt, wenn wir uns auf den Herrn besinnen und in ihm unsere Freude finden. Das bringt dann auch einen tiefen inneren Frieden, „der höher ist als alle Vernunft“.
Der Aufruf der Verse 4-6 mündet so in dem großartigen Segenzuspruch: „7 Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.“
Die Verse 8-9 sind dann nochmals ein Aufruf zu einem guten Leben, wobei Paulus sich nicht scheut, sich nochmals als Vorbild zu nennen (V.9)
Der Brief endet der Brief endet dann mit sehr persönlichen Worten. Paulus ist dankbar für die Gabe der Philipper. Dabei betont er, dass seine Freude weniger damit zu tun hat, dass er nun gut versorgt ist – er kann auch mit Mangel leben. Seine Freude gründet sich vor allem darin, dass er sieht, mit welcher Herzenshaltung die Philipper agieren. Er freut sich also vor allem am Werk Gottes in ihnen. Das zeigt sich hier vor allem in ihrer Großzügigkeit und dem damit verbundenen vertrauen auf Gottes Versorgung.
- Ich wünsche uns genau dieses Gottvertrauen. So dürfen dann auch wir erleben, dass Gott die segnet, die auf ihn vertrauen und bereit sind, selber für andere zu sorgen und so zu Gottes Werkzeugen zu werden. So lernen wir dann auch immer mehr, auf Gott zu vertrauen und lernen mehr über unsere Abhängigkeit von ihm.