Ab Matthäus 26,36 lesen wir davon, wie schwach die Jünger sind. Während Jesus im Gebet mit seinem Vater ringt und sich auf sein Sterben vorbereitet, schlafen die Jünger immer wieder ein. Ich denke, dass wir uns da alle mit den Jüngern identifizieren können. Ich weiß zumindest von mir selber, wie schwer es mir fällt, ausdauernd im Gebet zu bleiben. Unsere Wachsamkeit ist immer begrenzt.

  • Wie gut, dass wir einen Herrn haben, der über uns wacht und der uns seinen Geist gegeben hat, der uns immer mal wieder weckt und auf Dinge aufmerksam macht.

Faszinierend finde ich auch die Komplexität von Gottes Willen, die hier sichtbar wird.
Wir sehen hier drei Ebenen:
1. Der situationsbedingte Wille Jesu: Er will nicht leiden und sterben, was ja sehr gut nachvollziehbar ist
2. Er will tun, was der Vater will: Er stellt also seinen eigenen Willen zurück. Das ist etwas, das für uns Vorbildfunktion haben sollte
3. Der souveräne Ratschluss-Wille des Vaters, der nach seinem ewigen Plan tut, was ER sich vorgenommen hat. Diesen Willen verstehen wir oft in einer Situation nicht – wir können das nur zur Kenntnis nehmen und darauf vertrauen, dass Gott Alles gut machen wird.

Und schließlich sehen wir, dass Gebet Dinge verändert. Jesus ist jetzt bereit, sich in die Hände der Verräter zu geben. Offensichtlich hat ihn sein Vater im Gebet gestärkt und dazu bereit gemacht.

  • Das ist eine Funktion des Gebets, die wir immer bedenken sollten. Im Gebet mit Gott können wir auch dahin kommen, Gottes Willen klarer zu erkennen und dann auch bereit dazu werden, diesem göttlichen Willen zu folgen.
  • Das ist sicher nicht die einzige Funktion des Gebets, aber es ist ein wichtiger Aspekt.

Schließlich kommt es zur Verhaftung des HERRN. Jesus macht dabei gleich deutlich, dass ER weiterhin Alles unter Kontrolle hat. Er hatte das ja schon in Vers 46 angekündigt. Die Jünger geraten nun in Panik und Petrus ergreift das Schwert. Doch Jesus betont, dass kein Schwert notwendig wäre, um ihn zu schützen. Sein Vater hat immer alles im Griff und könnte jederzeit ganze Legionen Engel senden. Doch Er tut das nicht, denn Jesu Verhaftung und Tod ist ja genau das, was Gott geplant hat und was geschehen muss damit die Schrift erfüllt wird. Trotzdem betont Jesus aber eben auch, dass die Truppe, die ihn gefangen nimmt, böse und sündig handelt. Die menschliche Verantwortung wird also nicht außer Kraft gesetzt.

Dann beginnt der Prozess. Jesus sieht nicht die Notwendigkeit, auf die Vorwürfe zu antworten. ER muss sich nicht verteidigen, denn zum einen strebt er ja gar nicht danach, freigelassen zu werden, zum anderen macht es keinen Sinn mit törichten Menschen zu rechten.

Aber dem Hohepriester antwortet er dann doch und bestätigt, dass ER der Christus, der Sohn Gottes ist. Und er verkündet, dass er demnächst zur Rechten Gottes sitzen wird und von dort kommen wird.  Diese Aussage ist natürlich eine Anmaßung aus Sicht des Hohepriesters, denn Jesus nimmt für sich hier ja sehr klar in Anspruch, Gott zu sein und wenn man das für nicht möglich hält, dann ist es Gotteslästerlich.

  • Die Reaktion des Hohepriesters ist in gewisser Weise sogar lobenswert, weil ihm scheinbar Gotteslästerung nicht egal ist – da unterscheidet er sich sehr, von vielem Menschen heute, die Jesus nicht offen ablehnen, sondern ihn einfach ignorieren.

Schließlich sehen wir noch Petrus, der entgegen seiner vollmundigen Ankündigungen mutlos Jesus verleugnet.

  • Möge der Herr uns Mut geben, da anders zu agieren.