Der Hebräerbrief zeigt uns Christus in all seiner Einzigartigkeit und damit in seiner Überlegenheit über alle Dinge. Gleich zu Beginn lesen wir davon, dass er größer als die Propheten ist. Seine Offenbarung ist das letzte Wort und er ist nicht nur ein Bote Gottes, sondern Gott selbst – „er ist der Abglanz von Gottes Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens.“ Sein Wort ist voller Macht, er hat unsere Erlösung bewirkt und er regiert.

  • Diese Eingangsworte sind voller tiefer Christologie! Und so kann dann der Schreiber auch klar und deutlich festhalten, dass Jesus größer als die Engel ist.

Manche Ausleger verstehen hier „Engel“ nicht im Sinne der himmlischen Wesen, sondern im Sinne von Boten und beziehen das auf die Propheten. Im Zusammenhang mit den ersten 3 Versen kann ich das gut nachvollziehen. Andererseits wird im Fortgang dann das Wort Engel eindeutig im Hinblick auf himmlische Wesen (1,7 / 1,14) gebraucht und es erscheint mit eher unwahrscheinlich, dass der Hebräerbrief das gleiche Wort innerhalb weniger Verse auf zwei ganz unterschiedliche Weisen gebraucht.

Fakt ist aber auf jeden Fall, dass Jesus größer als die Propheten und größer als die Engel ist J Diese Grundthese belegt der Schreiber durch verschiedene AT Zitate.

  • Mein Gebet für uns ist, dass wir durch das Lesen des Hebräerbriefs wieder neu ins Staunen darüber kommen, wer Jesus ist und was er für uns getan hat.

In Kapitel 2 wird weiterhin Jesus hervorgehoben. Nachdem gleich zu Beginn des Hebräerbriefs betont worden war, dass Jesus höher als die Propheten und Engel ist, wird hier nun deutlich, dass die Worte Jesu (und die von den Aposteln weitergegebenen Worte) die Quelle unseres Heils sind. Er ist der Botschafter Gottes schlechthin und deshalb gibt es nur eins: Wir sollten auf das Wort achten, dass ER uns verkündet hat (Heb 2,1-4), denn er allein bringt uns das Heil.

  • Nicht auf Jesu Worte zu hören führt dazu, dass wir das Heil verfehlen!
  • Dabei ist es absurd, Jesu Worte von denen der Schrift trennen zu wollen. Denn das wovon hier die Rede ist, ist ziemlich deutlich das, was uns im NT überliefert ist.

Gott ist der Schöpfer und HERR der ganzen Welt – gerade auch weil ER sich für eine Zeit in Jesus Christus erniedrigt hat und in diese Welt kam und uns Menschen gleich wurde. Das tat er, um die Schuld unserer Sünden zu sühnen und uns dann zur Herrlichkeit zu führen.

Jesus wird uns hier also einerseits in seiner ganzen Größe und Erhabenheit gezeigt. Andererseits lehrt uns der Schreiber des Hebräerbriefs auch, dass Jesus uns ganz nahe gekommen ist und sich eng mit uns verbunden weiß. Er ist unser „großer Bruder“ und weil er das menschliche Leben hier auf Erden selber durchlebt und durchlitten hat, ist er auch dazu befähigt, uns in unseren Versuchungen beizustehen.

  • Ich finde es immens tröstlich zu wissen, dass Jesus uns wirklich versteht – gerade auch in unseren Versuchungen.
  • Vor allem ermutigt es mich zu bedenken, dass er nicht der HERR mit einem erhobenen Zeigefinger ist, sondern auch ein Bruder, der meine Schwäche und Not kennt und mir gerade deshalb auch hilft.

In Kapitel 3 sehen wir dann, dass Christus auch größer als Mose ist. Dabei ist die Ansprache an die Gläubigen in Vers 1 bemerkenswert: „ihr heiligen Brüder, die ihr teilhabt an der himmlischen Berufung,“

  • Ist das nicht großartig?

Und dann lesen wir eine interessante Bezeichnung Jesu: „den Apostel und Hohenpriester.“

  • Ich glaube, dass jedes biblische Amt in Jesus seine vollkommene Erfüllung findet. Er ist König, Priester und Prophet … und Apostel.

Im Fortgang kommt dann der Vergleich zu Mose. Mose wird dabei sehr hervorgehoben und doch wird eben deutlich, dass Jesus viel größer und bedeutender ist.

In Kapitel 3, Vers 6 (und dann ganz ähnlich auch noch mal in Vers 14) lesen wir eine (bzw zwei) Aussage, die verdeutlicht, dass die Zukunft offenbaren wird, was in der Gegenwart zutrifft. So heißt es: „Sein Haus sind wir, wenn wir das Vertrauen und den Ruhm der Hoffnung festhalten.“ und dann in Vers 14: „wir haben an Christus Anteil bekommen, wenn wir die Zuversicht vom Anfang bis zum Ende festhalten.“ Ob wir im Hier und Jetzt Christen sind (zu Christus gehören) erweist sich letztendlich daran, ob wir an ihm festhalten. Man könnte eben auch andersherum sagen; wer nicht an Christus festhält, war nie wirklich ein Christ. Deswegen sollten wir unser Christ-sein nicht über etwas aus der Vergangenheit definieren, sondern tagtäglich dadurch offenbaren, dass wir im Glauben leben.

Trotzdem ist es natürlich legitim, auf Ereignisse wie eine Glaubenstaufe zurück zu sehen und sich darauf zu besinnen, dass wir uns zu Christus bekannt haben und uns zugesprochen wurde, dass Gott uns liebt und festhält. Andererseits sollte die Geschichte des Volks Israel uns eine Warnung sein. Israel hat trotz seiner Treueschwüre nach dem Erhalt des Gesetzes eben letztendlich durch sein Murren und seine Untreue gezeigt, dass sie nicht wirklich gerettet waren. Deshalb durfte Israel damals nicht in die Ruhe einziehen.

Wer bis zum Ende im Vertrauen auf Christus und mit dieser Zuversicht lebt, der wird das große Ziel erreichen – … die ewige Ruhe bei Gott. Und die ist nicht langweilig, sondern über alle Maßen herrlich.

  • Möge der HERR uns alle das eines Tages erleben lassen!

In Kapitel 3 war bereits die Rede davon, dass das Ziel des Glaubens „die Ruhe“ beim Herrn ist. In Kapitel 4 sehen wir, dass der Weg zur Ruhe und damit der Weg des Glaubens nicht immer leicht ist. Der Schreiber des Hebräerbriefs zeigt vom AT her, dass Israel die Ruhe verfehlt hat, weil sie das Wort Gottes zwar gehört, aber eben nicht im Glauben angenommen haben. Außerdem zeigt er, dass die Ruhe erst mit einem bestimmten „Heute“ beginnt. Jesus hat das „Heute“ bei seinem ersten Kommen eingeläutet – und wenn er wiederkommt, ist es dann endgültig so weit.

  • Um diesen Tag zu erreichen müssen also auch wir nicht nur das Wort hören, sondern es glauben und darauf achthaben.
  • Auch bei uns gibt es da immer mal wieder Phasen des Murrens und des Ungehorsams. Das Wort ist lebendig und wenn wir ihm Raum geben, wird es uns unsere Sünden zeigen und uns in die Arme unseres Retters und Herrn treiben. Denn wir alle brauchen Jesus Christus als unseren Hohepriester, der um unsere Schwachheit weiß und uns gnädig ist, wenn wir im Glauben zu ihm kommen. Er weiß ohnehin um alles in unserem Leben und durch sein Wort hilft er uns, uns auch selber immer besser kennen zu lernen und Sünde in unserem Leben zu identifizieren.
  • Und so tun wir gut daran, uns immer wieder von Gottes Wort die Wahrheit zeigen zu lassen und uns dann Jesus zuzuwenden, unserem Propheten, Priester und König!