Nachdem am Ende von Kapitel 23 berichtet worden war, dass Paulus nach Cäsarea überführt wurde, lesen wir nun in Kapitel 24 davon, dass Paulus sich vor dem Statthalter Felix gegen die Anklagen des Hohepriesters verteidigt. Der Statthalter Felix ist ein Richter, der nicht vorschnell richtet. Er hört die Verteidigungsrede des Paulus an. Paulus spricht die Wahrheit, agiert dabei aber nicht naiv, sondern sehr klug. Er bringt den Streit zurück zur Frage der Auferstehung, so wie er es schon Jerusalem getan hatte.

  • Ich denke, dass das auch für uns eine Lehre sein kann. Einerseits sollen wir bereit sein, Unrecht geduldig zu ertragen und auf Gott zu hoffen. Andererseits dürfen wir uns verteidigen und klug agieren.

Felix hat keine Lust, sich mit den „innerjüdischen“ theologischen Auseinandersetzungen zu befassen. Er ahnt, dass er da nur verlieren kann und so verschleppt er die Sache.

Doch offenbar hat das, was Paulus gesagt hat – oder das, was über ihn gesagt wird – sein Interesse geweckt. Er und seine jüdische Frau kommen mit Paulus ins Gespräch … doch als Paulus auf bestimmte Dinge zu sprechen kam, war das Gespräch schnell vorbei: „24:25   25 Als aber Paulus von Gerechtigkeit und Enthaltsamkeit und von dem zukünftigen Gericht redete, erschrak Felix und antwortete: Für diesmal geh! Zu gelegener Zeit will ich dich wieder rufen lassen.“

  • Das ist ganz typisch für Menschen, die einerseits ein Interesse für Glaubensfragen haben, andererseits aber nicht bereit sind zu akzeptieren, dass Gottes Wort eben nicht nur Interesse, sondern vor allem auch Gehorsam fordert.

Deshalb ist es eine reale Versuchung für Christen (und leider sehen wir das regelmäßig), bestimmte kritische Dinge wegzulassen, um bloß nicht anstößig zu sein.

  • Aber Jesus und die Apostel hatten da eine andere Überzeugung. Sie predigen immer sehr klar und stellen ihre Zuhörer so bewusst vor die Entscheidung sich zu positionieren.

Für Paulus hat das Konsequenzen … unter Felix bleibt er zwei Jahre im Gefängnis.

Auf den Statthalter Felix folgt Festus. Er ist entschlussfreudiger als sein Vorgänger, weiß aber auch weniger über den jüdischen Glauben und die Christen. Vor allem aber ist er darauf bedacht, es den Juden recht zu machen.

Der Weg zu einem Verfahren in Jerusalem ist für Paulus gleich doppelt gefährlich. Zum einen haben die Juden geplant, ihn unterwegs in einen Hinterhalt zu führen. Zum anderen würde dort die Stimmung sicher noch viel hitziger sein, so dass es nicht ganz unwahrscheinlich wäre, dass Festus den Juden nachgäben und Paulus verurteilen würde.

  • Paulus sieht sich nun gezwungen, sich auf den Kaiser zu berufen.
  • Dabei ist das dann ja auch genau der Schritt, der notwendig war, um nach Rom zu kommen, was Paulus ja schon länger vorhatte und was Gott ihm auch schon zugesagt hatte.

Doch vorher kommt noch der König Agrippa hinzu. In seinen Erklärungen an Agrippa offenbart Festus, wie wenig er über den Glauben versteht. Aber er weiß, um wen es vor allem geht – um Jesus – und darum, ob er lebt!

  • Das ist tatsächlich von größter Bedeutung.
  • Ich hoffe, dass wir alle fest davon überzeugt sind, dass Jesus lebt und durch seinen Geist gegenwärtig ist!

In Kapitel 26 lesen wir zum dritten Mal den Bericht von der Bekehrung des Paulus. Ähnlich wie schon in Kapitel 22 erzählt er hier die Ereignisse in Form einer Verteidigungsrede. Gleichzeitig ist das ein gutes Beispiel für ein effektives Zeugnis. Er beschreibt sich selbst von vor der Zeit seiner Bekehrung. Dann sagt er, wie er bekehrt wurde und dann erklärt er, was seitdem geschehen ist.

Paulus ist dabei wichtig, dass deutlich wird, dass der christliche Glaube nicht im Widerspruch zum jüdischen Glauben steht, sondern daraus hervorgeht: „26:6-7   6 Und nun stehe ich hier und werde angeklagt wegen der Hoffnung auf die Verheißung, die unsern Vätern von Gott gegeben ist.  7 Auf ihre Erfüllung hoffen die zwölf Stämme unsres Volkes, wenn sie Gott bei Tag und Nacht beharrlich dienen. Wegen dieser Hoffnung werde ich, o König, von den Juden beschuldigt.“

  • Jesus Christus ist der, auf den die Juden gehofft haben. Er ist nun gekommen, gestorben und wiederauferstanden … und das ist die ganze Freude des Paulus.
  • Dann gibt Paulus auch sein ganz persönliches Zeugnis.

Für Festus macht das Alles keinen Sinn. So geht es ja oftmals den unwissenden Ungläubigen. Aber Agrippa versteht mehr … und Paulus weiß, dass Agrippa mehr versteht und mehr glaubt!

26:28-29  28 Agrippa aber sprach zu Paulus: Es fehlt nicht viel, so wirst du mich noch überreden und einen Christen aus mir machen.  29 Paulus aber sprach: Ich wünschte vor Gott, daß über kurz oder lang nicht allein du, sondern alle, die mich heute hören, das würden, was ich bin, ausgenommen diese Fesseln.“

  • In diesen Worten klingt ganz viel von der Herzenshaltung des Paulus durch. Auch wenn er sich hier eindeutig als Vorbild präsentiert, ist das weder arrogant noch intolerant. Es ist liebevoll und einladend.
  • So sollten auch wir den exklusiven Anspruch des Evangeliums weitergeben.

Schließlich wird die Unschuld des Paulus klar festgestellt. Trotzdem wird er nicht freigelassen. Da er sich auf den Kaiser berufen hat, wird er nun nach Rom gebracht werden … und wenngleich das bedeutet, dass er ein Gefangener bleibt, bekommt er so nun die Gelegenheit, das Evangelium eben auch in Rom zu bezeugen.