So wie von Paulus geplant (siehe Apg 19,21) macht er sich nun auf den Weg zurück nach Jerusalem. Paulus zieht durch Mazedonien. Unterwegs ermutigt er die Gemeinden, die er während seiner 2. Missionsreise gegründet hatte. Er predigt und ermahnt die Gemeinden und bereitet sie so für die Zukunft vor. Ab Vers 6 ist Lukas offensichtlich wieder selber mit dabei (der Bericht geht nun in „wir“ Form weiter). Interessant ist auch der Hinweis in Apg 20,7, dass die Gemeinde am ersten Tag der Woche zusammenkam, das Brot brach und auf eine lange Predigt hörte.

  • Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Gemeindeversammlung zu diesem Zeitpunkt schon am Sonntag stattfand und nicht mehr am Sabbat.

Paulus scheint kein Fan kurzer Predigten zu sein. Er hat viel zu sagen und predigt bis Mitternacht. Auch damals war nicht jeder dazu in der Lage, einer langen Predigt zuzuhören und so lesen wir von Eutychus, der einschlief und aus dem Fenster fiel. Das wäre ja ein ziemliches Drama gewesen und hätte ggf dem apostolischen Dienst schaden können … aber mit Gottes Hilfe war Paulus in der Lage, den jungen Mann wieder zu beleben.

Dann geht es für ihn weiter und von Milet aus ruft er die Ältesten aus Ephesus zu sich. Die Abschiedsrede in Ephesus ist sehr lehrreich.

  • Zum einen sehen wir, dass die Begriffe Älteste, Bischöfe und Hirten (Pastoren) austauschbar verwandt werden. Wir tun gut daran, das zu bedenken. Die Unterscheidung zwischen Pastoren und Ältesten ist also nicht wirklich biblisch, sondern einfach nur eine pragmatische Sache, die dabei hilft zu erklären, wer der Gemeinde Vollzeit dient und wer nicht. Letztendlich sind die Pastoren einfach Älteste bzw alle Ältesten haben eine Pastoren-(Hirten-)verantwortung.
  • Weiterhin lehrt Paulus, dass Gemeinde immer umkämpft ist und zwar von außen und innen und, dass die Ältesten da eine besondere Wächterverantwortung tragen.
  • Gleichzeitig macht Paulus auch deutlich, wer letztendlich auf die Gemeinde Acht hat. Es ist „20:28 die Gemeinde Gottes, die er durch sein eigenes Blut erworben hat.“ … und so kann Paulus guten Gewissens gehen und sagen: „20:32 32 Und nun befehle ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade, der da mächtig ist, euch zu erbauen und euch das Erbe zu geben mit allen, die geheiligt sind.“

Das ist wirklich eine großartige Gewissheit!

Schließlich macht sich Paulus weiter auf den Weg nach Jerusalem. Er geht diesen Weg im Wissen darum, dass er nicht mehr nach Ephesus zurückkommen würde und ihn wohl in Jerusalem Schwierigkeiten erwarten. Trotzdem geht er den Weg, denn es geht ihm nicht darum, den einfachsten Weg zu wählen, sondern das zu tun, was Gott von ihm will.

  • Das ist vorbildlich und herausfordernd!

Mit Kapitel 21 beginnt die Reise des Apostels Paulus nach Jerusalem, die dann in seiner Verhaftung mündet. Dabei lesen wir über die Jünger, die Paulus auf dem Weg gen Jerusalem trifft: „21:4  Die sagten Paulus durch den Geist, er solle nicht nach Jerusalem hinaufziehen.“

  • Ganz offensichtlich sind solche Worte nicht „autoritativ“ – sonst hätte Paulus ihnen gehorcht.
  • Es gibt also gewisse Erkenntnisse, die der Geist schenkt, die immer noch bewertet werden müssen und bei denen wir die Freiheit haben, nach Abwägung eigene Entscheidungen zu treffen.
  • Das ist sicher ein gutes Herangehen an alle „Worte“ und Erkenntnisse, die Gott uns außerhalb der völlig autoritativen Offenbarung der Bibel gibt.

Und so schlägt Paulus diese Ermahnung genauso aus, wie dann auch die Warnung durch Agabus.

In Jerusalem wird Paulus mit falschen Gerüchten konfrontiert. Jakobus und die anderen Ältesten haben dabei eine Idee, wie Paulus deutlich machen kann, dass diese Gerüchte nicht wahr sind. Aber das reicht nicht. Seine Feinde sind so voller Hass, dass sie die Menschen gegen Paulus aufwiegeln. Es mag sein, dass sie dabei nicht bewusst eine falsche Behauptung aufgestellt haben, als sie sagten, dass Paulus einen Heiden mit in den Tempel gebracht hätte.

  • Das ist leider etwas, dass man immer mal wieder erlebt. Die Wahrheit wird nicht mehr gesehen. Menschen haben ihre Meinung und egal was dann wirklich passiert, sie sind dann schnell mit ihren Interpretationen dabei und nicht mehr bereit, sich korrigieren zu lassen und Fakten zur Kenntnis zu nehmen.
  • In den Köpfen von Menschen werden falsche Schlussfolgerungen gezogen und diese werden dann als Fakten präsentiert … das kommt leider auch in christlichen Kreisen vor.
  • Von daher sollten wir uns alle darauf besinnen, dass wir nicht versehentlich falsche Behauptungen anstellen – auch wenn diese uns noch so schlüssig erscheinen mögen.

Und so wird Paulus mit der gleichen Anklage konfrontiert, die einst (in seinem Beisein auf Seiten der Ankläger) gegen Stephanus vorgebracht wurde (siehe Apg 6,11ff): „21:28  Dies ist der Mensch, der alle Menschen an allen Enden lehrt gegen unser Volk, gegen das Gesetz und gegen diese Stätte; dazu hat er auch Griechen in den Tempel geführt und diese heilige Stätte entweiht.“

Paulus wird also verhaftet und zeigt dann seine Fähigkeit, sich auf Zuhörer einzustellen. Die Soldaten spricht er auf Griechisch an und dabei offenbart sich, dass auch sie falsche Gerüchte gehört hatten und dann spricht er zu den Juden in Jerusalem auf Hebräisch.

In Kapitel 22 lesen wir den Bericht von der Verteidigungsrede des Paulus vor den Juden in Jerusalem. Dabei blickt er zurück auf seine eigene Bekehrung und Berufung. Er erklärt ihnen, wie er einst selber ein Eiferer für das Gesetz war. Er sucht also erst einmal gemeinsamen Boden. Dann fährt er fort und berichtet das, was wir ja schon aus Apg 9 kennen. Allerdings werden hier noch einige weitere Details berichtet.

Interessant finde ich dabei, dass sein Zeugnis von Jesus offenbar noch relativ neutral angehört wurde. Aber als Paulus auf die „Heiden“ zu sprechen kommt, zu denen er gesandt war, bricht der Sturm der Entrüstung wieder los.

  • Hier sehen wir eine gedankliche Enge, die es nicht zulässt, weiter belehrt zu werden.
  • Das ist gefährlich und wir sollten uns davor hüten. Ich wünsche uns, dass wir einerseits aus der Bibel zu festen Überzeugungen kommen und doch gleichzeitig immer bereit sind, uns von Gottes Wort her weiter belehren zu lassen.

Als der Aufruhr zu groß wurde, wird Paulus erstmal in Sicherheit gebracht. Die Römer waren ganz offensichtlich um Ordnung bemüht und sie wollten ein gerechtes Urteil finden.

  • Überhaupt sehen wir in der Apostelgeschichte immer wieder, dass die meisten Obrigkeiten recht positiv beschrieben werden (mit der Ausnahme von Herodes Agrippa in Apg 12),

Vor dem römischen Oberst spielt Paulus dann seine dritte Karte aus … neben Griechisch und Hebräisch kommt hier nun sein römisches Bürgerrecht zum Tragen.

  • Hier sehen wir, dass Gott alle Dinge gut geführt hat. Ohne dieses biographische Detail, wäre es hier wohl schnell mit Paulus aus gewesen, aber noch hatte Gott mit ihm einiges vor. So entstanden ja z.B. einige Briefe des ATs erst zu der Zeit, als Paulus dann in Rom im Gefängnis saß. Dazu wäre er als freier Mann evtl nicht gekommen … aber dadurch, dass Gott ihm noch viel Zeit im Gefängnis gab, konnte er diesen wichtigen Dienst noch vollenden – genau so, wie Gott es geplant hatte.

In Kapitel 23 sehen wir, dass nachdem die Römer davon Abstand genommen hatten Paulus zu geißeln, um mehr über ihn und die Klagen gegen ihn zu erfahren, sie ihn vor den Hohen Rat bringen. Paulus beginnt sogleich damit, das Wort zu ergreifen und will wohl predigen. Der Hohepriester Hananias lässt Paulus sofort schlagen, um ihn zum Schweigen zu bringen. Der dann entstehende Dialog endet damit, dass Paulus deutlich macht, dass er die Autorität von Gottes Wort voll und ganz anerkennt.

Dann ergreift Paulus die Gelegenheit und spielt gezielt verschiedene Gruppen (Pharisäer und Sadduzäer) gegeneinander aus, so dass der Oberst Paulus lieber wieder in Sicherheit bringt.

  • Wiederum sehen wir, dass Regierungen durchaus wertvoll sind und Gottes Werkzeug dabei sein können, Christen schützen.

Dann ermutigt der HERR Paulus ganz persönlich und lässt ihn wissen, dass ER ihn nach Rom führen wird. Ab Vers 12 lesen wir von einem Mordkomplott, aber der geplante Mordanschlag wird vereitelt und die Römer werden letztendlich zu den Rettern des Paulus und bringen ihn in das sicherere Cäsarea. All das führt dann später dazu, dass Paulus nach Rom kommt. Und so geschieht dann – trotz -oder auch wegen aller Umstände das, was Paulus sich durch den Geist vorgenommen hatte und was der HERR ihm dann auch zugesagt hatte.

  • Unser Gott ist der souveräne HERR aller Dinge.
  • Er gebraucht dabei selbst die weltlichen Regierungen und überhaupt alle Dinge, um seine Pläne auszuführen.
  • Deshalb dürfen wir getrost durch jeden Tag gehen.