In diesem ersten Pastoralbrief gibt der Apostel Paulus seinem jungen Weggefährten Timotheus Anweisungen für seinen Dienst in der Gemeinde in Ephesus. Paulus beginnt dabei direkt mit der Ermahnung, sich nicht auf unnütze Diskussionen einzulassen, die von Irrlehrern verbreitet werden. Er hält dem entgegen, worum es im Glaubensleben stattdessen geht: „5 Die Hauptsumme aller Unterweisung aber ist Liebe aus reinem Herzen und aus gutem Gewissen und aus ungefärbtem Glauben.“ Die Irrlehrer waren dabei wohl eher auf bestimmten Riten und Gesetze fokussiert. Davor warnt Paulus. Gleichzeitig macht er aber auch deutlich, dass ein Verharren im Gesetzesbruch inkompatibel mit dem Glauben ist – denn wahre Liebe führt zu einem frommen Leben.

Paulus erklärt dann, dass Glaube und Liebe aber letztendlich eine Gnadengabe Gottes ist. Dabei ist er selber das beste Beispiel. Er durfte das Wort Gottes hören und erkennen, dass es wahr ist und so ruft er alle Menschen dazu auf: „15 Das ist gewisslich wahr und ein Wort, des Glaubens wert, dass Christus Jesus in die Welt gekommen ist, die Sünder selig zu machen, unter denen ich der erste bin.

Am Ende des Kapitels scheut sich Paulus nicht, die Irrlehrer namentlich zu nennen und er betont, dass er Gemeindezucht geübt hat, damit diese zurückgewonnen werden mögen.

  • Schon in diesem ersten Kapitel wird also deutlich, dass Paulus dem von ihm eingesetzten „Pastor“ Timotheus vor allem zwei Dinge mit auf den Weg gibt:
    • Lass Dich durch nichts von der Kernbotschaft des christlichen Glaubens ablenken.
    • Verteidige die gute Lehre, denn diese wird angegriffen werden. Scheue den Konflikt mit Irrlehrern nicht.
  • Ich wünsche uns als Gemeinde, dass wir hier ebenso klar stehen und mutig agieren.

Zu Beginn von Kapitel 2 ruft Paulus zum Gebet für alle Menschen auf. Dabei erwähnt er konkret die Regierenden, denn wenn sie gut regieren, können wir unseren Glauben in Ruhe praktizieren und verbreiten.

Dann betont Paulus, dass es Gottes Wille ist, dass alle Menschen das Evangelium hören und im Glauben annehmen.  Dabei geht es hier nicht um den unumstößlichen Vorsatz Gottes, sondern um den allgemeinen Willen, mit dem Gott zum Beispiel auch will, dass wir seine Gebote halten.

  • Es ist also Gottes Wunsch, dass allen Menschen das Evangelium verkündet wird.

Der Hinweis auf den einen Mittler zwischen Gott dem Vater und uns Menschen – Jesus Christus – ist hier bedeutsam. Durch IHN allein können Menschen wahre Gotteserkenntnis erlangen, denn der Sohn offenbart uns den Vater und durch IHN allein können wir dann auch im Gebet zum Vater kommen. Jesus ist dabei eben nicht nur der Mittler für die Juden. Sein Werk gilt allen Menschen. Dieses Wissen treibt Paulus in seinem Dienst als Apostel zu den Heiden an.

In Vers 8 rundet Paulus diesen Aufruf damit ab, dass er konkret Männer ermahnt, zu beten.

Dann wendet er sich den Frauen zu und erklärt, dass Frauen eine andere Rolle haben. Sie sollen nicht durch prunkvolle Kleidung auffallen, sondern durch einen demütigen und zurückhaltenden Charakter.

Paulus lehrt, dass Frauen nicht predigen sollen und sich über die Männer erheben. Paulus macht dann deutlich, dass seine Anordnungen nicht kulturell oder situationsbedingt sind, der er gründet seine Ermahnung in Schöpfung und Sündenfall.

  • Diese Worte sind gerade heute sicher politisch inkorrekt.
  • Das fordert uns heraus, uns unter das glaubwürdige und gute Wort Gottes zu stellen eben gerade auch dann, wenn das auf Widerspruch stößt.

Paulus erklärt, wer die Verantwortung für Leitung und Lehre in der Gemeinde haben sollte. Dabei wird deutlich, dass nicht einfach jeder Mann dazu berufen ist, sondern eben nur die Männer, die den Anforderungen der Verse 1-7 genügen. Dabei sind diese Anforderungen einerseits so allgemein (mit Ausnahme der Befähigung zum Lehren), dass dies einfach reife Christen beschreibt. Andererseits sind diese Anforderungen größtenteils „relativ“. D.h., dass diejenigen Älteste sein sollten, die in der Gemeinde geistlich besonders reif sind und außerdem eine Lehrbegabung haben.

Dem folgen dann auch noch Anforderungen für das 2. Amt in der Gemeinde, dem Diakonenamt. Dabei ist unklar, ob die in Vers 11 erwähnten Anforderungen an Frauen den Ehefrauen von Diakonen gelten (was m.E. seltsam wäre, da es keine solche Anforderungen für die Frauen der Ältesten gibt) oder ob dies Anforderungen für weibliche Diakone sind, wovon ich ausgehe.

Ab Vers 14 erklärt Paulus warum er das alles schreibt: „14 Dies schreibe ich dir und hoffe, bald zu dir zu kommen; 15 wenn ich aber erst später komme, sollst du wissen, wie man sich verhalten soll im Hause Gottes, das ist die Gemeinde des lebendigen Gottes, ein Pfeiler und eine Grundfeste der Wahrheit.  16 Und groß ist, wie jedermann bekennen muss, das Geheimnis des Glaubens: Er ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit.

  • Von daher denke ich, dass diese Anweisungen sehr deutlich auch uns gelten!

Zu Beginn von Kapitel 4 lehrt Paulus, dass “in der letzten Zeit” einige vom Glauben abfallen, andere verführen und teuflische Lehren verbreiten werden. Paulus kritisiert die falschen Lehrer, die einer unbiblischen Askese das Wort reden. Dem hält Paulus entgegen: „4 Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird;  5 denn es wird geheiligt durch das Wort Gottes und Gebet.

Dann folgen sehr persönliche Ermahnungen an Timotheus. Dabei legt Paulus auf zwei Dinge großen wert – auf das Leben und auf die Lehre seines Schützlings. Das fasst er dann abschließend auch noch mal kurz und knapp zusammen mit einem Aufruf, den wir alle berücksichtigen sollten: „16 Hab acht auf dich selbst und auf die Lehre; beharre in diesen Stücken! Denn wenn du das tust, wirst du dich selbst retten und die, die dich hören.“

  • Das sollten wir auch tun!

In den ersten beiden Versen von Kapitel 5 erklärt Paulus, wie Timotheus mit verschiedenen Gruppen in der Gemeinde umgehen soll. Ab Vers 3 geht es dann um die Witwen. Dabei gab es wohl eine klar definierte Gruppe von Witwen, für die die Gemeinde Verantwortung übernehmen sollte, nämlich die Witwen, die keine eigene Familie haben und für ihren guten & gläubigen Lebenswandel bekannt sind.

Wenn Familie da ist, sollte diese für die Witwe sorgen. Wenn die Witwe jung ist, sollte sie ggf nochmal heiraten. Und wenn eine Witwe einen schlechten Ruf hatte, sollte sie nicht unterstützt werden.

Es ist sehr umstritten (und wohl eher nicht so) aber manche Ausleger sehen hier ein „Witwen-Amt“ in der Gemeinde. Auch wenn es das nicht offiziell nicht gibt, finde ich den Grundgedanken interessant. Die Gemeinde sorgt für die Frauen, die sonst nicht versorgt wären und die Vorbilder sind, so dass diese als Beterinnen und Vorbilder für die Gemeinde freigesetzt sind.

  • Ohne jede Frage ist es ein großer Segen für jede Gemeinde solche Witwen zu haben und es ist die Verantwortung der Gemeinde für diejenigen aus ihren Reihen da zu sein, die auf Hilfe angewiesen sind.

Ab Vers 17 geht es dann um den Umgang mit Ältesten. Gott ordnet hier durch Paulus an, dass Älteste gut versorgt werden sollten (das ist mit zweifacher Ehre gemeint), und dass diese einen gewissen Schutz genießen sollten: „19 Gegen einen Ältesten nimm keine Klage an ohne zwei oder drei Zeugen.“

  • Ich denke, dass diese Ermahnung heute sehr wichtig ist, denn unsere Gesellschaft hat eher wenig Achtung vor Leitern und Autoritäten. Da sollten wir Christen uns von der Gesellschaft unterscheiden.
  • Gerade deswegen sollte aber auch keiner vorschnell zum Ältestendienst eingesegnet werden (V.22).

Vers 23 ist ein ganz praktischer und persönlicher Hinweis, der deutlich macht, dass die Bibel ganz sicher kein absolutes Alkoholverbot lehrt, wenngleich Trunkenheit eindeutig sündig ist.

  • Letzteres ist während der Wiesn‘-Zeit aber vor allem zu bedenken.

Zu Beginn des 6. Kapitels ermahnt Paulus gläubige Sklaven, dass sie besonders gute Arbeiter/Diener sein sollen. Das könnte man natürlich auch auf unseren Kontext übertragen. Als Christen sollen wir besonders gute Arbeitnehmer sein, damit der Name Gottes nicht verlästert wird. Im Gegenteil, wir sollen in allen Dingen ein gutes Zeugnis von unserem Gott und Herrn ablegen. Paulus macht deutlich, dass das natürlich auch gilt, wenn unsere Vorgesetzten selber Christen sind. Christliche Herrn verdienen natürlich nicht weniger Respekt und Treue.

Und dann folgt eine längere abschließende Ermahnung an Timotheus und überhaupt an die Gemeinde (die Pastoralbriefe sind letztendlich auch immer an die Gemeinden gerichtet). Hier kommen verschiedenste Aspekte, die bedenkenswert sind:

  • Bleibe bei der heilsamen Lehre, sei demütig und stifte nicht unnützen Streit.
  • Strebe nach Frömmigkeit und lebe bescheiden.
  • Fliehe allen Versuchungen

Vers 11 und 12 fassen das dann gut zusammen: „Jage aber nach der Gerechtigkeit, der Frömmigkeit, dem Glauben, der Liebe, der Geduld, der Sanftmut! 12 Kämpfe den guten Kampf des Glaubens; ergreife das ewige Leben, wozu du berufen bist und bekannt hast das gute Bekenntnis vor vielen Zeugen.“

Abschließend warnt Paulus nochmals vor einem falschen Fokus auf materielle Dinge und ruft Timotheus dazu auf, den Schatz des Evangeliums zu bewahren und sich davon nicht abbringen zu lassen.