Paulus schreibt diesen Brief an die Gemeinde in Thessaloniki, die er bei seiner zweiten Missionsreise gegründet hat.
Das 1. Kapitel ist voller Lob für die Gemeinde. Wir lesen ein reines Dankgebet in Vers 2-3, und ab Vers 4 ermutigt Paulus die Thessalonicher. Dass sie Kinder Gottes sind ist für Paulus offensichtlich, denn das Wort Gottes hat in ihnen kräftig gewirkt und ihr Leben offenbart das Wirken Gottes, das eben nur in den Gläubigen (den Erwählten) so zu finden ist.
Die Thessalonicher hatten dabei in Paulus ein Vorbild, dem sie so gefolgt sind, dass sie wiederum anderen zum Vorbild geworden sind. Vorbildlich ist dabei vor allem, dass von ihnen das Wort Gottes ausging und dieses Bekenntnis wurde ganz offenbar durch ihr Leben noch überzeugender.
- Auch wir sollten alle darum bemüht sein, anderen ein Vorbild im Glauben zu sein.
In Kapitel 2 beschriebt Paulus seine Rolle bei der Gründung und Begleitung der Gemeinde. Paulus kam damals nicht mit „Schmeichelworten“, sondern mit Worten voller Wahrheit, die er als Zeuge Gottes primär vor Gott gesprochen hat.
- Es ist eine gute Disziplin, sich gerade beim Evangelisieren und Lehren von Gottes Wort bewusst zu machen, wer unser erster Zuhörer ist. Wir reden vor Gott und in seinem Auftrag. Das nimmt Menschenfurcht.
Im Fortgang beschreibt Paulus seine „pastorale“ Rolle zuerst mit dem Bild „einer Mutter“ (Vers 7) und dann als „Vater“ (Vers 11). Und so zeigt uns Paulus, das ganze Spektrum der pastoralen Verantwortung.
Und dann kommen wieder die Thessalonicher in den Blick. Paulus lobt sie vor allem dafür, wie sie seine Predigten aufgenommen haben: „13 Und darum danken wir auch Gott ohne Unterlaß dafür, daß ihr das Wort der göttlichen Predigt, das ihr von uns empfangen habt, nicht als Menschenwort aufgenommen habt, sondern als das, was es in Wahrheit ist, als Gottes Wort, das in euch wirkt, die ihr glaubt.“
- Ich wünsche mir, dass wir mit dieser Erwartungshaltung unsere Bibeln lesen und auf Predigten und Bibellehre hören.
Ab Vers 14 kommt dann die geistliche Realität in den Blick, dass Widerstand für Christen normal ist. Sowohl die Thessalonicher wie auch Paulus erleben das, genauso wie auch die Christen in Judäa. Deshalb konnte Paulus auch trotz seines Vorhabens noch nicht wieder persönlich nach Thessaloniki kommen.
In Vers 19 lesen wir dann Worte, die die Thessalonicher sicher fast etwas verlegen gemacht haben dürften, die aber eben einfach die große Liebe des Apostels für diese Gemeinde offenbaren: „19 Denn wer ist unsre Hoffnung oder Freude oder unser Ruhmeskranz – seid nicht auch ihr es vor unserm Herrn Jesus, wenn er kommt? 20 Ihr seid ja unsre Ehre und Freude. “
- Im ganzen Kapitel lesen wir, dass Paulus die Thessalonicher vor allem an Dinge erinnert, die sie erlebt haben. Das tut er sicher zum einen aus Dankbarkeit und zur Ermutigung der Gemeinde. Zum anderen aber sich auch, um sie davor zu schützen, das aus dem Blick zu verlieren und sich im Anbetracht von Schwierigkeiten von der guten biblischen Lehre zu entfernen, die doch so viel Segen gebracht hat.
- Auch wir brauchen immer mal wieder Ermutigung und tun gut uns an das zu erinnern, was wir sicher wissen, um so im Glauben gestärkt zu werden.
Auch in Kapitel 3 wird deutlich, dass Paulus bewusst war, dass die Thessalonicher Ermutigung brauchten und an die gute Lehre erinnert werden mussten. Da er selber nicht kommen konnte, hatte er seinen Mitarbeiter Timotheus geschickt. Nach seiner Rückkehr konnte Timotheus Paulus viel Gutes berichten. Paulus schreibt den Thessalonichern voller Dankbarkeit und erklärt, wie sehr ihn das getröstet und ermutigt hat.
Diesen Trost und diese Ermutigung hat er wohl auch deshalb nötig, weil er für seinen Glauben Leid erlebt – genauso wie auch die Thessalonicher. Diese Bedrängnis ist etwas, womit alle Christen rechnen müssen. In Kapitel 2 hatte Paulus schon erwähnt, dass dies sowohl unter Juden, wie auch unter Heiden so ist. Und hier schreibt er nun erst von der Bedrängnis der Thessalonicher (3,4) und dann von seiner eigenen (3,7). Das Wort Bedrängnis ist übrigens das griechische Wort, das manchmal auch als Trübsal übersetzt wird. Diese wird ja auch in der Offenbarung erwähnt als etwas, das kommen muss, bevor der Herr wiederkommt und sein Reich endgültig aufrichtet.
- Auch wie erleben also schon Trübsal – auch wenn es sicher so ist, dass die Trübsal noch schwerer wird und wir Christen noch so manches Leid erwarten und erdulden müssen.
- Aber angefangen hat die Trübsal ganz offensichtlich schon zur Zeit des Apostels Paulus.
Wie dem auch sei – Paulus preist Gott für die Thessalonicher, die offensichtlich trotz aller Not weiter konsequent im Glauben leben. Und er bittet für sie, dass sie weiter im Glauben und in der Liebe wachsen.
- Das ist ein gutes Gebet, dass sicher auch wir alle gebrauchen können.
Nach all den positiven Worten über die Thessalonicher kommen wir in Kapitel 4 nun doch noch zu einigen freundlichen Ermahnung. Dabei geht es vor allem um Fragen der Lebensführung. Ein reines Leben und Fleiß sind zwei Tugenden, die Paulus anmahnt. In anderen Worten, er ruft die Thessalonicher zur Heiligung auf (Kap. 4, Vers 3). Vor allem hat Paulus dabei die sexuelle Reinheit im Blick. Ob die Thessalonicher in diesem Bereich eine Ermahnung besonders nötig hatten, oder ob Paulus das anspricht, weil das Umfeld komplett anders lebte, wird hier nicht deutlich. Das spielt aber wohl auch keine große Rolle. Letztendlich ist der Wille Gotte klar und das gilt so auch für uns heute.
- Von daher tun wir gut daran, uns von Gottes Wort in gleicher Weise Ermahnen und zu einem Streben nach Heiligung ermutigen zu lassen.
Ab Vers 13 wird deutlich, dass Paulus dabei ein Ziel vor Augen hat: die Thessalonicher sollen standhaft am Glauben festhalten und in der Heiligung wachsen, weil sie ja nicht wissen, wann der Herr wiederkommt. Aber Fakt ist, dass er bald wiederkommt und Paulus schien auch schon zu seiner Zeit davon auszugehen, dass das sehr bald passieren könnte.
- Wenn wir das vor Augen haben, werden wir uns sicher sehr viel intensiver um ein reines Leben bemühen.
Umstritten ist dann das, was Paulus im Hinblick auf die Rückkehr des HERRN schreibt. Wie ist die Entgegenrückung zu verstehen? Manche sehen hier den Hinweis auf eine geheime Entrückung der Gemeinde.
- Ich verstehe das nicht so. Meines Erachtens beschreibt die Bibel immer nur eine Rückkehr des HERRN und dann das Gericht.
- Von daher ist mein Verständnis das, dass der Herr wiederkommt, wir dem siegreichen Herrn entgegengerückt werden und dann mit IHM das Gericht erleben werden. Ich gebe aber unumwunden zu, dass es manches im Hinblick auf die Abläufe bei der Wiederkehr des Herrn gibt, das ich aus der Bibel nicht ganz so genau herauslesen kann, wie ich – und sicher viele Christen es gerne möchten. Andererseits spielt das für unser Glaubensleben wohl auch keine wirkliche Rolle.
Bedenkenswert ist, dass die hier beschriebene „Entgegenrückung“ nicht etwas „Geheimen“ ist. Es geht hier um eine Posaune Gottes (evtl die 7. Posaune aus Offb 11.) Wenn die Gemeinde dann zum Herrn kommt, bleibt sie für alle Ewigkeit bei ihm … hier scheint dann das Ende bzw die Ewigkeit erreicht zu sein.
- Wie auch immer wie diese Dinge verstehen. Klar ist auf jeden Fall, dass der Herr kommt und wir wachsam leben sollen und uns dabei um Heiligkeit bemühen sollen. Alles andere ist dabei wohl eher zweitrangig.
Wie schon bei den Aussagen zum Ende aller Dinge in Kapitel 4, geht es auch zu Beginn von Kapitel 5 wieder um die Wiederkehr des Herrn. Und wiederum geht es Paulus nicht darum, den Zeitpunkt (oder den Ablauf der Geschehnisse) des Endes zu erläutern, sondern er schreibt als Pastor, um die Gemeinde daran zu erinnern, dass der HERR bald wiederkommt. Das sollte uns dazu motivieren für IHN zu leben und IHN hoffnungsfroh zu erwarten.
Nach einem allgemeinen Aufruf zur Wachsamkeit folgen abschließende konkrete Ermahnungen an die Gemeinde zur Freude, zum Gebet und zur Dankbarkeit … alles im Hinblick auf Gottes Werk in unserem Leben und seinen Verheißungen für die Zukunft.
Auch das ist bedenkenswert. Neben dem Aufruf, sich um die Heiligung zu bemühen (Kap. 4, Vers 3) und den weiteren Imperativen in Kap. 5 v.a. ab Vers 12, lesen wir dann in Vers 23f die Bitte an Gott, der in allem wirkt „23 Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus. 24 Treu ist er, der euch ruft; er wird’s auch tun.“
- Wir müssen also nicht aus eigener Kraft nach diesen Dingen streben, sondern dürfen Gott um seine Hilfe bitten und darauf vertrauen, dass ER uns in allem beisteht.