Kapitel 9 ist ein sehr persönliches Kapitel. Paulus verteidigt seinen Dienst und erklärt, welche Freiheiten er hat: Er hätte auch heiraten dürfen (wohlgemerkt, nur eine „Schwester“, also eine Gläubige) und er hätte das Recht auf Versorgung gehabt. Von beiden Rechten macht er keinen Gebrauch, aber es ist ihm wichtig deutlich zu machen, dass das eine freiwillige Einschränkung ist.

Außerdem hätten die Korinther eigentlich die Verpflichtung, für ihn zu sorgen.

In allem geht es Paulus vor allem darum, dass das Evangelium gepredigt wird und nichts Äußeres die Annahme dieser Botschaft behindert. Deswegen bemüht er sich darum, sich auf unterschiedliche Menschen einzustellen und sich ihnen anzupassen (ohne dabei zu sündigen), so dass er ihnen mit dem Evangelium möglichst nahekommen kann.

  • Ich denke, dass diese Erkenntnisse für jeden Prediger wichtig sind.
  • Zum einen sollten wir also immer bedenken, wem wir das Wort predigen. Wir sollten sehr darum bemüht sein, keinen unnötigen Anstoß zu erregen und so gut wie möglich auf die Zuhörer einzugehen.
  • Andererseits sollten wir bedenken, dass wir nicht primär der Gemeinde dienen, sondern Gott. Selbst wenn mich die Gemeinde bezahlt, so nehme ich meinen Dienstauftrag primär von Gott entgegen und muss ihm treu dienen – dann natürlich auch der Gemeinde, aber zuerst immer Gott.

Der Siegpreis kommt dann letztendlich natürlich auch von Gott und diesem jagt Paulus nach.

Der Beginn von Kapitel 10 bietet eine interessante Lektion zur Hermeneutik (Auslegung) des AT. Paulus erklärt hier als Auslegungsprinzip, dass das AT mit all seinen historischen Berichten für uns zum Vorbild gegeben ist. Das AT weist auf Christus hin und will uns lehren, wer Gott ist, wer wir sind, wie wir gerettet werden und wie wir leben sollten.

  • Das Beispiel Israels ist dabei ein Beispiel, ein Vorbild und eine Warnung für uns (10,6 & 10,11).

Und dann kommt eine sehr wichtige Lehre: „13 Bisher hat euch nur menschliche Versuchung getroffen. Aber Gott ist treu, der euch nicht versuchen läßt über eure Kraft, sondern macht, daß die Versuchung so ein Ende nimmt, daß ihr’s ertragen könnt.“

  • Als Christen müssen wir also nie sündigen. Wir dürfen wissen, dass Gott uns die Kraft gibt, jeder Versuchung zu widerstehen.
  • Wenn wir scheitern, dann nicht, weil es nicht anders ging. Das sollte uns im Kampf gegen Versuchungen ermutigen und im Hinblick auf unsere Sünden demütigen.

In diesem Zusammenhang greift Paulus auch nochmal das Thema „Götzendienst“ auf. Auch wenn es keine anderen Götter gibt, so sollten wir doch sehr darauf bedacht sein, jede Form von Synkretismus zu vermeiden. Ähnlich wie eben auch schon im AT zur Zeit Moses, war das wohl auch in Korinth ein Problem. Es gab offenbar Leute, die sowohl Abendmahl feierten wie auch Götzendienste.

  • Das geht nicht zusammen. Entweder wir dienen Gott und ihm allein oder wir gehören nicht zu ihm!
  • Diese Problematik sehe ich immer wieder auch in ganz simplen Dingen. Immer wieder sehe ich bei mir und anderen, wie schnell es passieren kann, dass sich Gottesdienst mit einem Selbstdienst vermischt. Oder es schleicht sich ein Aberglaube ein, dem ich auch unter Christen immer wieder begegne.
  • Wenn Gott also Dinge fordert, die uns nicht in den Kram passen, dann können wir nicht einfach anfangen, unsere eigenen Herren zu sein und uns selbst (oder unseren „Götzen“, unseren Gelüsten, zu dienen). Der Herr ist unser Herr, da kann es keine Ausnahmen geben.

Abschließend verteidigt Paulus nochmal die christliche Freiheit und lehrt dabei gleichzeitig auch nochmal, dass wir Rücksicht aufeinander nehmen sollen „23 Alles ist erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist erlaubt, aber nicht alles baut auf.“ Dabei ist auch hier wieder die Aussage „alles ist erlaubt“ wahrscheinlich eher ein Zitat dessen, was die Korinther behauptet haben, als seine eigentliche Aussage (siehe Kap. 6).

Das letztendlich über allem stehende Gebot ist: „10:31 Ob ihr nun eßt oder trinkt oder was ihr auch tut, das tut alles zu Gottes Ehre.“

  • Das ist ein sehr hilfreiches Prinzip!!!

Kapitel 11 greift zwei Themen auf, zu denen die Korinther Paulus wahrscheinlich direkt befragt hatten.

  1. Das erste große Thema betrifft das Verhältnis von Mann und Frau.

Dabei bringt Paulus die Beziehung von Mann und Frau in einen Bezug zum Verhältnis von Gott dem Vater und Gott dem Sohn. So wie der Vater Haupt des Sohnes ist, soll der Mann Haupt seiner Frau sein. Dabei geht es ganz offensichtlich nicht um „Wert“ (denn Gott Vater und der Sohn sind beide vollkommen Gott), sondern um Ordnung. D.h. Gott gibt eine Ordnung vor, die innerhalb der gleichwertigen Personen gelebt werden soll.

Die Frau soll Ihre Unterordnung dadurch offenbaren, dass sie ihr Haupt bedeckt. Das betrifft dabei nicht nur das Verhältnis der Geschlechter zueinander. Das hat auch einen Zeugniseffekt, auch vor der unsichtbaren Welt (also vor den Engeln).

  • Ich deute diese Stelle so, dass die Kopfbedeckung dabei eine konkrete Anwendung des Prinzips der öffentlich sichtbaren Akzeptanz des Mannes als Haupt darstellt.

Das wird ja auch heute in bestimmten Kulturkreisen so verstanden. Hier in Dtld aber wohl eher nicht. Da gibt es dann andere Wege für Frauen, um zu zeigen, dass sie die ihnen von Gott zugedachten Rolle in der Ehe und Gemeinde akzeptieren.

  • Aber letztendlich soll da jeder nach seinem Gewissen handeln.

Ich muss auch zugeben, dass die Verse 14 & 15 schwer zu verstehen sind. Wenn Paulus hier von der „Natur“ schreibt geht es aber evtl einfach um das, was uns natürlich erscheint. Wenn ein Mann aussieht wie eine Frau, dann ist das nicht natürlich. Aber was männlich und weiblich ist, variiert natürlich je nach Kultur.

  1. Ab Vers 17 geht es dann um konkrete Missstände beim Abendmahl.

Dabei geht es darum, dass dieses Mahl als Gemeinschaftsmahl gefeiert werden soll. Man offenbart in dieser Feier seine Gemeinschaft am Leib Christi. Gleichzeitig bedenkt man dabei an das, was Christus für uns getan hat – sein Leib gebrochen, sein Blut vergossen – für uns!

Würdig feiert man das Mahl also, wenn man einander in Liebe und Rücksicht begegnet, denn Christus hat uns zusammengestellt … und indem man sich darauf besinnt, dass wir des Opfers Christi bedürfen.

Paulus macht deutlich, dass ein Missachten des Herrn ernste Konsequenzen haben kann.