In Kapitel 5 spricht Paulus ganz direkt einen schlimmen Fall öffentlicher Sünde an. Ein Mann hat eine sexuelle Beziehung mit seiner Stiefmutter. Da diese Sünde nicht nur skandalös, sondern auch öffentlich ist, gibt es keinen mehrstufigen Gemeindezucht-Prozess im Sinne von Mt. 18. Hier ist sofortiges Eingreifen und ein Gemeindeausschluss gefordert, denn der Name des HERRN wird verlästert über das, was in der Gemeinde geschieht.

  • Innerhalb der Gemeinde sollten wir sehr darauf bedacht sein, dass wir Gott ehren. Das tun wir auch dadurch, dass wir vor der Welt ein vorbildliches Leben führen.

Ab Vers 9 sehen wir, dass das „Richten“ in der Gemeinde stattfinden. Im Zweifelsfall sollten wir dann lieber mal auf unser „gutes Recht“ verzichten, als dass wir einen Streit eskalieren lassen – oder gar vor Ungläubigen zu Gericht ziehen.

Im Hinblick auf Sünde der Ungläubigen sollten wir bedenken, dass die Ungläubigen von Gott gerichtet werden.

  • Den Ungläubigen müssen wir nicht zuerst Moral beibringen – die bauchen das Evangelium.

Die sehr klare Trennung zwischen denen „drinnen“ und „draußen“ macht dabei deutlich, dass Gemeinden klar erkennbare Grenzen haben sollten. Das gilt gerade auch in Zeiten, in denen Unverbindlichkeit zur Mode geworden ist.

  • Ich bin sehr dankbar für die vielen Menschen, die sich in den letzten Jahren in die Verbindlichkeit der Mitgliedschaft unserer Gemeinde begeben haben!

Zu Beginn von Kapitel 6 greift Paulus ein weiteres Thema auf, von dem er aus Korinth gehört hat. Offenbar gab es innerhalb der Gemeinde Streitigkeiten, die vor weltlichen Gerichten ausgetragen wurden. Das kritisiert er sehr direkt. Streitigkeiten in der Gemeinde sollten nie nach außen vor die Ungläubigen gebracht werden. Christen sollten immer darum bemüht sein, in Frieden miteinander zu leben.

  • Das sollte uns ausmachen und der Welt ein Zeugnis sein. Streitereien beschmutzen das Zeugnis der Gemeinde. Deshalb sollten wir schnell dabei sein, einander zu vergeben und den Frieden zu suchen. Im Notfall sollte man – um des Zeugnisses nach außen und des Friedens nach innen willen – auch mal bereit sein, eigene Ansprüche zurückzustellen.

Die Warnung der Verse 9-11 bilden dann den Kontext für die klaren Ermahnungen ab Vers 12. Dabei zitiert Paulus zu Beginn von Vers 12 wohl etwas, dass von den Korinthern vorgebracht wurde, um eigene Sünde zu legitimieren. Da wir als Christen aus Gnade allein gerettet sind, wird uns Gott letztendlich nicht für das richten, was wir getan haben. Aber dieses Denken offenbart letztendlich eine gefährliche Position, wie die Verse davor ja deutlich machen. Natürlich ist es in gewisser Weise richtig, dass wenn jemand wahrhaft bekehrt ist, er frei vom Gesetz ist. Und doch ist diese Freiheit eben eine zu einem Leben für Christus und nicht der Freifahrtschein zum Sündigen. Deswegen sind dann die letzten Worte des Kapitels auch völlig unzweideutig: „18 Flieht die Hurerei! Alle Sünden, die der Mensch tut, bleiben außerhalb des Leibes; wer aber Hurerei treibt, der sündigt am eigenen Leibe.19 Oder wißt ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel des heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt, und daß ihr nicht euch selbst gehört? 20 Denn ihr seid teuer erkauft; darum preist Gott mit eurem Leibe.“

Kapitel 7 ist ein ganz wichtiges Kapitel in Bezug auf die Ehe. Es wird immer mal wieder behauptet, dass die Bibel (oder zumindest das NT) nicht klar lehrt, dass Geschlechtsverkehr exklusiv in den geschützten Rahmen der Ehe gehört. Meines Erachtens tu das aber die Verse 1-9 sehr klar. Denn was sonst könnte außerhalb der Ehe „Unzucht“ sein (V.2) und damit zu tun haben, dass sich Männer und Frauen nicht „enthalten“ können (V.9) aber dann innerhalb der Ehe okay sein?

Dann geht es um Ehescheidung. Diese ist biblisch grundsätzlich abzulehnen. Wenn es aber dazu kommt, ist eine Wiederheirat keine Option. Die einzigen Optionen sind dann Versöhnung oder alleine bleiben (7,10f). Ggf beschreiben die Verse 12ff eine Ausnahme, bei der es evtl doch eine Wiederheirat geben kann (und evtl gibt es dann noch einen zweiten Ausnahmefall … siehe Mt 19,9). Aber das ist zumindest bei diesen beiden Bibelstellen nicht wirklich eindeutig. Denn das „nicht gebunden sein“ in Vers 15 bezieht sich wohl einfach auf das Scheidungsverbot.

Paulus sieht das Singledasein als eine gute Gabe Gottes an – macht aber deutlich, dass grundsätzlich auch die Ehe gut ist. Letztendlich muss das jeder im Rahmen der biblischen Rahmenbedingungen und der praktischen Möglichkeiten für sich entscheiden. Dabei sollte man evtl auch die äußeren Bedingungen bedenken … das zumindest erwähnt Paulus.

  • Wir sehen hier, wie praktisch dieser Brief ist. Paulus spricht ganz praktische Gemeinde- und Lebenssituationen an.

Eine Heirat derer, die nicht gebunden sind, sollte im Herrn geschehen … d.h. Gläubige sollen nur Gläubige heiraten (V.39).

  • Auch wenn Paulus das hier konkret im Hinblick auf die Freiheit zur Wiederheirat von Witwen sagt, ist das sicher (auch bestätigt durch andere Bibelaussagen) ein allgemein gültiges Gebot.

Zu Beginn von Kapitel 8 kommt Paulus ganz offensichtlich auf ein Thema zu sprechen, zu dem er gefragt worden ist: „Was aber das Götzenopfer angeht, …“. Dabei lehrt Paulus zu Beginn den Grundsatz, dass Erkenntnis an sich nichts wert ist, wenn sie nicht mit Liebe einhergeht. Die Liebe wird uns dazu bringen, unsere Erkenntnis positiv einzusetzen und nicht einfach rechthaberisch zu sein. Gerade im Hinblick auf das Essen von Götzenopferfleisch in der damaligen Kultur war das wichtig.

Manche meinten – entsprechend der Lehre des zeremoniellen Gesetzes – es wäre Sünde, Götzenopferfleisch zu essen. Paulus macht deutlich, dass dies im Prinzip nicht so ist. Wer sich da frei fühlt, darf entsprechend handeln – aber immer nur so, dass der „Schwache“ dadurch nicht in Gewissenskonflikte kommt – denn „nicht jeder hat die Erkenntnis.“ (V.8). Und tatsächlich, wer in dem Denken isst, dass es Sünde ist (und eben trotzdem davon isst), der sündigt, da er bewusst gegen das handelt, was er als Gottes Willen versteht. In diesem Fall darf das Götzenopferfleisch nicht gegessen werden.

  • Dieser Umstand sollte auch das Handeln derjenigen prägen, die sich da frei wissen – denn wenn sie damit bei anderen Anstoß erregen, sollten sie lieber auf ihre Freiheit verzichten.

Wir haben heute andere Themen, aber das Prinzip gilt auch für uns. Später in Kap. 11 kommt z.B. die Frage nach dem Kopftuch. Das ist ein gutes Beispiel für eine Frage, zu der es unterschiedliche Erkenntnisse gibt. Aber wenn das Gewissen einer Frau an diesem Punkt gebunden ist, wäre es falsch, sie dazu zu drängen, das Kopftuch abzulegen.

Noch deutlicher wäre der Fall z.B. bezüglich des Genusses von Wein oder Bier. In kleinen Mengen ist das sicher keine Sünde, aber es gibt Leute, die da eine andere Sicht haben und darauf sollten wir gegebenenfalls Rücksicht nehmen.