Der 1. Korintherbrief greift einige recht unterschiedliche Themen auf. Paulus schreibt dabei in eine ganz konkrete Gemeindesituation hinein. Er weiß um einige Missstände in der Gemeinde und er antwortet auf Fragen, die an ihn herangetragen worden waren.

Wie so oft beginnt Paulus mit einem wunderbaren Dankgebet für die Gemeinde. Trotz aller Missstände liebt Paulus die Geschwister.

  • Allein das sollte uns schon herausfordern. Haben wir diesen Blick auf andere Christen, auch dann noch, wenn sie ganz offensichtlich in einigen wesentlichen Bereichen theologische und ethische Verfehlungen haben?

Im Gebet klingt dann auch schon ein Thema an, das später im Brief noch ausführlich behandelt werden wird – die Frage nach Geistesgaben. Dazu erklärt Paulus, dass die Korinther keinen Mangel an irgendeiner Gabe haben.

Dann kommt er auf ein erstes Problem in der Gemeinde zu sprechen. Er ermahnt die Gläubigen zur Einheit. Parteiungen in der Gemeinde sind immer falsch. Denn letztendlich hängen wir nie an Menschen, sondern gehören gemeinsam zum Leib Christi und er ist das Haupt, das uns eint.

  • Natürlich kann man auch mal geteilter Meinung sein und Dinge diskutieren – aber Spaltungen unter Christen sind nie Gott-gefällig – zumindest dann, wenn sie eben nicht um falscher Lehre willen geschehen, sondern aufgrund von zweitrangigen Themen oder persönlichen Präferenzen. Deswegen sind die teilweise völlig respektlosen Äußerungen zu gegensätzlichen Corona- / Impf-positionen etwas, das es bei uns Christen so nicht geben sollte!

Was trennt – und uns auch trennen sollte – ist allein unsere Stellung zur Botschaft vom Kreuz. Und das macht Paulus dann ab 1,18 deutlich. An dieser Botschaft scheiden sich die Geister. Dabei ist die gläubige und frohe Annahme dieser Botschaft etwas, dass wir aus uns heraus nicht tun werden. Geistliche Wahrheiten kann man nur mit Hilfe des Geistes verstehen (siehe Kap. 2). Genau das betont Paulus dann auch und ermahnt so zur Demut.

  • Ohne Gottes Eingreifen, nach seiner Berufung und Erwählung wären wir nichts.

Christus ist unser Ein und Alles … er ist der, in dem sich alle Schrift erfüllt. Er ist für uns zu dem geworden, was wir nicht schaffen konnten. Wenn wir im AT vom Weisen oder vom Gerechten lesen, dann dürfen wir wissen, dass das zuerst Christus beschreibt und dann eben alle, die in IHM sind.

1:30-31   30 Durch ihn aber seid ihr in Christus Jesus, der uns von Gott gemacht ist zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung,  31 damit, wie geschrieben steht: »Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn!«“

  • Wenn wir uns nur dieser Wahrheit rühmen, dann verbindet uns das mit allen anderen, die Wahrhaft zu Christus gehören. Und so ist das Evangelium zwar einerseits etwas, das uns von Nicht-Christen trennt, aber eben auch etwas, das uns Christen eint und dabei hilft, Spaltungen zu überwinden.

In Kapitel 2 erklärt Paulus nun, dass sein Dienst ein Dienst am Evangelium ist, das er in Kapitel 1 als eine Botschaft beschrieben hat, die eben nicht zur Weisheit dieser Welt passt. Gleichzeitig weiß Paulus darum, dass das Wort Gottes eine einzigartige Kraft hat. Deswegen gilt es, das Wort Gottes zu predigen, auch wenn die Welt oftmals eher an Worten interessiert ist, die aus rein menschlicher Weisheit stammen. Gott muss uns die Herzen öffnen, damit die Evangeliumsbotschaft ihre Kraft in uns entfalten kann.

Dies tut er durch seinen Heiligen Geist. Das Werk des Heiligen Geistes in der Bekehrung ist in diesem Kapitel sehr deutlich beschrieben. Ich bin so dankbar, dass 1. Kor 2,10 auf mich und so viele Menschen in meinem Umfeld zutrifft.

  • Ich preise Gott für das Gnadenwerk, das er durch Seinen Geist in uns getan hat!
  • Denn nur durch seinen Geist haben wir die Erkenntnis, so dass das Evangelium für uns keine Torheit ist, sondern eben eine kraftvolle Botschaft, die unser Leben komplett verändert und nun prägen sollte.

Nachdem Paulus die Korinther in den ersten beiden Kapiteln daran erinnert hat, dass sie von Gott berufen und erwählt sind und all ihre Erkenntnis letztendlich nur durch den Geist Gottes kommt, ermahnt er sie nun zu Beginn von Kapitel 3 in aller Schärfe fast so, als hätten sie keine Weisheit und als wären sie vielleicht doch nicht bekehrt.

Er führt den Korinthern vor Augen, wie „schizophren“ ihr Verhalten ist. ER nennt sie einerseits Brüder, andererseits sagt er, dass er sie eben nicht so anreden kann, wie wirkliche Brüder (wie geistliche Menschen) – denn sie verhalten sich doch eher fleischlich.

  • Das ist schon ein krasses Statement … und Paulus setzt das hier sicher sehr bewusst ein.
  • Wenn wir Leuten begegnen, die sich Christen nennen, aber eben überhaupt nicht so leben, dann sind wir ebenfalls aufgefordert, ihnen das deutlich zu sagen. Gerade so rufen wir Leute dazu auf, sich zu positionieren.

Ab Vers 5 greift Paulus dann nochmals ganz direkt das Thema der Spaltungen in der Gemeinde auf, das er ja schon in Kap. 1,10ff angesprochen hatte. Letztendlich sind alle Lehrer & Leiter nebensächlich – was zählt ist Christus, der allein der Grund ist, auf dem wir stehen können (3,11).

Was Paulus dann erklärt macht deutlich, dass es – auch wenn unsere Erlösung immer nur aus Gnade allein kommt – trotzdem eine Rolle spielt, wie wir unser Leben führen. Auf dem Grund Christus können wir Dinge bauen, die Bestand haben oder eben auch welche, die vergehen werden.

  • Wir sollten darauf bedacht sein, unser Leben in Dinge zu investieren, die Bestand haben und für die wir eines Tages bei Gott einen Lohn empfangen werden.
  • Genau deshalb sind wir dazu aufgerufen, demütig zu sein und ein Leben zu führen, dass unseren Glauben offenbart und letztendlich Gottes Anerkennung findet, anstatt nach Ruhm und Anerkennung in dieser Welt zu suchen.

ZU Beginn von Kapitel 4 sehen wir, dass Paulus ein klares Verständnis seiner Rolle hat – er ist ein „Diener Christi und Haushalter über Gottes Geheimnisse“ (4,1). Darin sollten wir ihm nacheifern. Er betont, dass Gott uns besser kennt als wir uns selbst. Diese Erkenntnis hält auch Paulus demütig und das sollte auch den Korinthern ein Vorbild sein. Wir sollten vorsichtig damit sein, andere und uns selbst zu beurteilen. Menschen neigen oft dazu, sich selbst im Recht zu sehen und sich zu überschätzen und andere schlechter zu beurteilen. Andererseits sollten wir auch nicht zu viel darauf geben, wie andere uns beurteilen. Was wirklich zählt ist, wie Gott uns sieht.

Um Gottes Anerkennung zu finden, sollten wir bei dem bleiben, was Gott uns sagt. Der HERR erwartet von uns vor allem Treue. Deswegen sollten wir sehr darauf bedacht sein, nicht über das hinauszugehen (aber auch nicht hinter dem zurückzubleiben) was geschrieben steht. Was Paulus dann erklärt (V.7) ist etwas, dass wir uns immer wieder klarmachen sollten – alles was wir haben (Erkenntnis, Besitztümer, Aussehen, etc) kommt von Gott und ist kein Grund für Stolz und Angeberei.

  • Das sollten wir immer wieder bedenken und uns dahingehen auch immer mal wieder selbst überprüfen.

Ab Vers 8 betont Paulus, dass er in weltlicher Hinsicht nicht viel hat, womit er angeben könnte. Aber es geht eben nicht um diese Dinge … und eben auch nicht um weltliche Anerkennung.

  • Er weiß, dass er ein Diener ist
  • Und er weiß, wem er dient!

Und so sieht er sich dann auch in einer Erzieherrolle gegenüber dieser Gemeinde und ermahnt sie scharf (4,18ff).